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Familientreffen

 

Wie viele Traversflöten Friedrich der Große besessen hat, weiß man nicht genau. Über 20 waren es bestimmt und fast alle von seinem Lehrer Johann Joachim Quantz gebaut, wobei dieser sich vermutlich darauf beschränkte, die Flöten spielfertig zu machen und zu intonieren. Die eigentlichen Erbauer der sechs "Quantz"-Flöten aus dem Besitz Friedrichs des Großen, die sich am 11. Januar im Musikinstrumenten-Museum trafen, sind also unbekannt.
Der Instrumentenbau war zur Zeit Friedrichs II. nach Zünften organisiert und damit stark reglementiert.


Fünf der Instrumente stammen aus der Sammlung des ehemaligen Hohenzollern-Museums, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Eine sechste Flöte war 1788 im Inventar des Karlsruher Schlosses verzeichnet und befindet sich jetzt in Privatbesitz. Von den Instrumenten aus dem zerstörten Hohenzollern-Museum reiste eines aus Leipzig an, wo es jetzt Teil der Musikinstrumenten-Sammlung im Grassi-Museum ist. Zwei weitere Flöten kamen aus Potsdam zum Familientreffen ins MIM – sie sind heute im Neuen Palais bzw. in Sanssouci zuhause –, eine gehört dem Kunstgewerbemuseum und ist als Leihgabe im MIM zu sehen, und eine ist Teil der Sammlung des MIM (Katalog-Nummer 5076).


Die mitreisenden Wissenschaftler aus Leipzig, Potsdam und Berlin beschäftigten sich unter anderem mit der Frage, welche Teile eigentlich zu welcher Flöte gehören. Kein einfach zu lösendes Problem, da Kopf, Mittelstücke und Fußstück der jeweiligen Instrumente offenbar ursprünglich so nicht zueinander gehörten. Teile der Flöten wurden also untereinander vertauscht. Zunächst vermutete die Forschung, dass dies während des 2. Weltkriegs, bei der Auslagerung der Flöten passiert sein könnte. Heute hält man es aber für denkbar, dass möglicherwiese Friedrich II. selbst einzelne Kopf-, Mittel- und Fußstücke der Flöten untereinander ausgetauscht hat, um den Klang oder die Intonation zu optimieren. Da es im 18. Jahrhundert keinen einheitlichen Stimmton gab, wurde jede Flöte üblicherweise mit einer Vielzahl von Mittelstücken ausgestattet. Oft gibt es sogar zwei Kopfstücke. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass Friedrich II. sehr anspruchsvoll war, was die Charakteristik des Tons betraf, die zum jeweiligen Musikstück passen sollte. Viel Stoff für die Forschung also – der Kontakt zwischen Leipzig, Potsdam und Berlin wird intensiviert, ein gemeinsames Projekt zum Thema Quantz-Flöten mit einer entsprechenden Publikation vorbereitet.

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