Musiktheorie

Das Gebiet der Musiktheorie ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt am Institut für Musikforschung, der durch das Projekt „Geschichte der Musiktheorie“ nach sorgfältiger Planung und intensiver Diskussion durch führende deutsche Musikwissenschaftler am SIM verankert wurde.

Abdias Treu, Divisio monochordi, aus: Lycei musici theorico-practici, Rothenburg o. d. T. 1635. Berliner Privatbesitz.
Abdias Treu, Divisio monochordi, aus: Lycei musici theorico-practici, Rothenburg o. d. T. 1635. Berliner Privatbesitz.

Das Projekt geht auf eine Anregung von Carl Dahlhaus zurück. Ergänzt wird es in jüngerer Zeit durch eine Reihe von Studien zur Geschichte der Musiktheorie, in der Forschungsergebnisse vorgestellt werden, die im Kontext der Arbeit am Hauptprojekt entstanden sind. Ein neuer, spezifischer Schwerpunkt des Instituts sind Forschungen, in denen den vielfältigen Beziehungen von historischer Musiktheorie und der Praxis des Musizierens klanganalytisch nachgegangen wird.

Geschichte der Musiktheorie

In der Historischen Abteilung wird eine Geschichte der Musiktheorie erarbeitet und im Auftrag des Instituts herausgegeben. Das großangelegte, auf 15 Bände disponierte Unternehmen bietet eine historische Darstellung des musiktheoretischen Denkens von der Antike bis zur Gegenwart. Mehr als 50 international bekannte Wissenschaftler sind daran beteiligt. Der Darstellungsmodus ist dabei dem Prinzip der dokumentienden Geschichtsschreibung verpflichtet. Das Institut leistet mit dem Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Erhellung eines bemerkenswerten, spezifischen Zweiges der Geistesgeschichte Europas. Jeder Band enthält sorgfältig aufeinander abgestimmte Beiträge von ausgewiesenen Fachgelehrten; dabei ist es den Herausgebern ein besonderes Anliegen, die Texte so zu halten, daß sie auch dem interessierten Nicht-Fachmann, und nicht allein dem hochspezialisierten Kenner zugänglich sind. Die Geschichte der Musiktheorie erscheint im Verlag der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt. Seit 1984 sind neun Bände und ein Teilband erschienen, mit insgesamt 37 Beiträgen von 26 Autoren; im Jahr 2000 konnte mit Band 4, der die mittelalterliche Lehre von der Einstimmigkeit zum Gegenstand hat, der bisher umfangreichste Band der Reihe vorgelegt werden. Soeben erschienen ist der Teilband 8/I, der die deutsche Musiktheorie des 15. bis 17. Jahrhunderts behandelt, 2004 erscheint ein umfassender Band zur Musiktheorie der Antike.

Musiktheorie im 20. Jahrhundert

In der Abteilung Musiktheorie und Musikgeschichte des SIM startet demnächst das Projekt „Musiktheorie im 20. Jahrhundert“. Das Ziel des Vorhabens ist eine Darstellung der vornehmlich auf die westliche Kunstmusik bezogenen Musiktheorie des vergangenen Jahrhunderts. Dabei sollen die Entwicklungen der Musiktheorie nicht nur im Hinblick auf engere fachspezifische Aspekte untersucht, sondern unter Reflexion auf den jeweiligen Musik-, Theorie- und Wissenschaftsbegriff in einen größeren Bezugsrahmen gestellt werden. Die Leitung des Projekts unter Federführung des SIMPK teilen sich Felix Wörner (Universität Basel) und Simone Hohmaier (Staatliches Institut für Musikforschung), die die mehrbändige Publikation als verantwortliche Herausgeber betreuen werden. Durch die Mitarbeit zahlreicher in- und ausländischer Experten soll das Vorhaben zum nachhaltigen internationalen Austausch innerhalb der Disziplin beitragen.

Studien zur Geschichte der Musikthorie

Die Reihe Studien zur Geschichte der Musiktheorie stellt Ergebnisse gegenwärtiger Forschung auf dem Gebiet der historisch orientierten Musiktheorie vor. Ausgangspunkt ist das Projekt der „Geschichte der Musiktheorie“ am Staatlichen Institut für Musikforschung; in der neuen Reihe werden dementsprechend zunächst Arbeiten veröffentlicht, die im Kontext dieses Unternehmens entstanden sind oder ihren Ursprung darin haben. Die Reihe steht jedoch auch für externe Beiträge offen, sofern diese in direktem Zusammenhang mit der Arbeit des Instituts stehen; auf dem Gebiet der Musiktheorie sind gerade in jüngerer Zeit mehrere Arbeiten fertiggestellt worden, die zeigen, daß auf diesem Feld anhaltend mit Entdeckungen und Neueinschätzungen zu rechnen ist. Neben musiktheoretisch-historisch ausgerichteten Monographien bringt die Reihe Editionen bislang unberücksichtigter oder wenig beachteter Quellen, die grundsätzlich mit ausführlicher Einführung und reichem Kommentar, wo es angebracht erscheint auch mit deutscher Übersetzung, versehen sind. Einen thematischen Schwerpunkt bildet das Gebiet der frühen deutschen Musiktheorie. Die Studien erscheinen im Olms-Verlag, Hildesheim.

Klang und Begriff

Mit diesem spezifischen Schwerpunkt des SIM wird der Bezug zwischen der Forschungstätigkeit des Hauses und den Aufgaben des Musikinstrumenten-Museums zu nachhaltiger Reflexion über das Verhältnis von musikalischer Theorie und der Praxis des Musizierens genutzt.

Das Thema Aufführungspraxis, wie es am SIM praktiziert werden kann, verknüpft musiktheoretischen sowie musikhistorischen Sachverstand mit den konkreten Untersuchungsmöglichkeiten, die ein großer Bestand historischer Musikinstrumente an die Hand gibt. Die Resultate solcher Kooperation werden in zweifacher Weise vermittelt:
in Form von Veranstaltungen, die sich an eine breite Öffentlichkeit wenden – als Erweiterung der Konzertreihe „Alte Musik live“– und zweitens als Publikationen, in denen die wissenschaftliche Diskussion vertieft und der flüchtige Höreindruck der Veranstaltung durch beigefügte Tonträger wie Audio-CD oder CD-ROM verifiziert werden kann.

Gegenstand der intendierten Forschungen ist dabei nicht die absolute Werkgestalt der Partitur, sondern die klangliche Realität ihrer Umsetzung; es geht um eine Art von Analyse der klanglichen Realität von Musik, die sich durch eine historisch-theoretische Tiefendimension auszeichnet. Dabei ist insbesondere auch die Kategorie „Instrument“ heranzuziehen: Untersucht wird jeweils eine „historische“ Konstellation von Komposition, Instrument, Aufführung, die über die Analyse des realen Klangs, als zentraler Instanz, zu bestimmen ist. Die Reihe Klang und Begriff. Perspektiven musikalischer Theorie und Praxis erscheint im Verlag Schott Musik International, Mainz.

Projektinformation

Projektleitung:
Simone Hohmaier (Staatliches Institut für Musikforschung); Felix Wörner (Universität Basel)

Kontakt

Dr. Simone Hohmaier

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

+49 30 254 81 197

E-Mail

Weiterführende Links

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