Audiovisuelle Wahrnehmung
von Aufführungsräumen

Das SIM führte 2015-2018 im Rahmen der internationalen DFG-Forschergruppe Simulation and Evaluation of Acoustical Environments (SEACEN) die zweite Phase des Forschungsprojekts „Audio-visual perception of acoustical environments“ (MA 4343/1-2) durch. Darin wurde die Wirkung akustischer und optischer Information auf verschiedene auditive (z.B. Lautstärke), visuelle (z.B. Helligkeit) und audiovisuelle (z.B. geometrische, ästhetische) Wahrnehmungsmerkmale von Aufführungsräumen untersucht.

Aufgrund der lückenhaften und uneinheitlichen Forschungslage wurde zunächst eine themenspezifische Forschungsstrategie entwickelt. Da die künstlerischen Darbietungen und Aufführungsräume aus methodischen Gründen ins Labor geholt werden mussten, wurde sodann die erforderliche Forschungsinfrastruktur geschaffen, der Virtuelle Konzertsaal. Diese dreidimensionale virtuelle Umgebung, die auf die Erhaltung der wichtigsten akustischen und optischen Schlüsselreize ausgerichtet ist, erlaubte zum einen die wechselseitig unabhängige Variation der akustischen und optischen Komponente sowie der Darbietung und der Aufführungsräume, zum anderen die Untersuchung der Wirkungen sowohl der Präsenz als auch der Eigenschaften der akustischen und optischen Komponenten. Das Simulationssystem wurde durch Vergleich eines realen und des entsprechenden virtuellen Aufführungsraums perzeptiv validiert, bevor in ihm Versuchspersonen virtuelle Musik- und Sprachdarbietungen in sechs Räumen beurteilten, die hinsichtlich Größe und Material variieren.

In der ersten Projektphase wurden grundsätzlich weder nennenswerte Interaktions- noch crossmodale Effekte der akustischen und der optischen Eigenschaften gefunden. Dies deutet darauf hin, dass die Verarbeitung akustischer und optischer Information für die meisten der untersuchten Wahrnehmungsmerkmale relativ geradlinig abläuft. Im Falle der audiovisuellen Merkmale gingen geometrische Einschätzungen erwartungsgemäß weitgehend auf die optischen, ästhetische Urteile überwiegend auf die akustischen Eigenschaften zurück.

In der zweiten Projektphase wurden bestimmte Aspekte gezielter untersucht, darunter die Entfernungs- und Raumgrößenwahrnehmung, die Raumformerkennung, der Einfluss gebräuchlicher raumakustischer Parameter, die perzeptive Beurteilung von Lautsprechern, sowie der Einfluss von reiz- und personenbezogenen Moderatorvariablen. In sieben Versuchsreihen wurden 433 Versuchspersonen im Labor-Einzelversuch getestet und dabei mehr als 200.000 Daten erhoben.

Die Ergebnisse werden derzeit noch publiziert. Sie tragen zu einem besseren Verständnis der Prinzipien multimodaler Wahrnehmung bei und erweitern die Basis für ein empirisch fundiertes Modell audiovisueller Wahrnehmung von und in Räumen. Sie zeigen auch, inwieweit Erkenntnisse, die unter rein akustischen Reizbedingungen gewonnen wurden, auf optoakustische Reizbedingungen übertragen werden können. Schließlich können sie für die wahrnehmungsorientierte Weiterentwicklung optoakustischer virtueller Umgebungen und entsprechender Inhalte hilfreich sein.

Mit dem akustischen Simulationssystem und gleicher Methodik wurde in 2017 auch die Rolle der optischen und akustischen Eigenschaften von Heimlautsprechern für deren Qualitätsbeurteilung untersucht. Sowohl die Beurteilung der Gesamtqualität als auch die Bemessung eines Geldwertes werden demnach deutlich stärker von den optischen als von den akustischen Eigenschaften der Lautsprecher beeinflusst.

Im Rahmen des Nachfolgeprojekts Sound & Vision Experience Lab (SV_XL) werden einige Ergebnisse und das Forschungsinstrument Virtueller Konzertsaal auf der Ebene der Wissensvermittlung verstetigt.

Kontakt

Dr. Hans-Joachim Maempel

Leiter der Abteilung III

+49 30 254 81 141

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Michael Horn, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

+49 30 254 81 142

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