Kuriositäten

Die Geschichte des Musikinstrumentenbaus hat immer wieder auch Seltenes und Seltsames hervorgebracht. Besuchen Sie unser virtuelles Kuriositätenkabinett!

Wurstfagott und Büchsentrompete

Wohin mit den oft so langen Rohren der Blasinstrumente? Ab ins Kästchen! war eine im 17. Jahrhundert durchaus gängige Lösung.

Das Ranckett, auch Rackett genannt, ein nur noch in wenigen Exemplaren erhaltenes Blasinstrument vor allem des 17. Jahrhunderts, hat die Form einer Büchse, durch die eine spiralförmige Bohrung gelegt ist, so dass die Rohrlänge mehr als neunmal so lang wie die Büchse ist. Das aufgewickelte Rohr im Inneren des Instruments hat Assoziationen zur Wurst hervorgerufen, weswegen das Ranckett auch Wurstfagott genannt wird. An das Fagott erinnert der Klang des Instruments, seine Basslage sowie die Anblastechnik mittels eines Doppelrohrblatts. Etymologisch geht das Wort Ranckett wohl auf das oberdeutsche Wort „rank“ für Krümmung zurück.

Michael Praetorius schreibt im frühen 17. Jahrhundert über das Ranckett: „Am Resonanz seind sie gar stille, fast wie wenn man durch einen Kamm bläset, und haben, wann ein solch ganz Accort- oder Stimmwerk zusammengebracht wird, keine sonderliche gratiam. Wann aber Violn de Gamba darzu gebraucht, oder eins allein nebenst andern blasenden oder besaiteten Instrumenten zu einer Simphony und Clavicymbel etc. von einem guten Meister geblasen wird, ist es ein lieblich Instrument, sonderlich im Baß anmuthig und wol zu hören.“

Bei dem Exemplar einer Büchsentrompete, das unser Museum bewahrt, lässt sich ein ähnliches Prinzip wie beim Ranckett beobachten. Auch hier war der Instrumentenbauer bemüht, ein handliches, aber dennoch gut klingendes Musikinstrument zu schaffen. Das Rohr der Trompete verläuft in einer Büchse von der Form eines Kegelstumpfes in acht Windungen spiralförmig von oben nach unten, steigt innerhalb der Spirale wieder nach oben und mündet dann nach zwei fast rechtwinkligen Wendungen im Schallbecher, der sich nach unten hin öffnet. Der vorhandene Raum wurde somit optimal ausgenutzt.

Nähtischklavier und Spazierstockinstrumente

Der Spazierstock wird zur Geige; der Nähtisch zum Klavier: Musikinstrumente als Symbolträger des Lebens und Wohnens in der Biedermeierzeit.

Typisch für die Wohn- und Musikkultur der Biedermeierzeit sind das Klavier und dessen Abarten. Durch die Beengtheit der Räume jedoch entstand ein gewisser Bedarf an Musikinstrumenten kleinen und kleinsten Formats. Das Tafelklavier etwa wurde in regelrechten Miniatur-Ausführungen hergestellt, so als Reise- und Nähtischklavier. Letzteres klingt spieluhrenhaft und ist im Tonumfang auf gerade einmal drei Oktaven beschränkt.

Für das Musizieren im Freien, das sich im Biedermeier großer Beliebtheit erfreute, wurden Wander- und Stockinstrumente gebaut, die sowohl als Spazierstöcke als auch als regelrechte Musikinstrumente dienten. Im Musikinstrumenten-Museum sind Stockflöte, Stockklarinette und Stockgeige zu bewundern, zum Teil - wie etwa die Klarinette - äußerst kunstvoll gefertigte Instrumente.

Äolsharfe

„Es schwebet nun in unbestimmten Tönen / Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich.“ Goethe hatte, als er diese Zeilen schrieb, keinen Fantasieklang im Ohr, sondern ein konkretes Instrument.

„Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich,
Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich.“

Viele vermuten in der Äolsharfe ein Instrument, das ausschließlich dem erwähnten Geisterreich angehört. Doch die Äolsharfe gibt es wirklich: Seit dem 17. Jahrhundert bekannt, ist sie ein zitherartiges Saiteninstrument, dessen Saiten der Wind in Schwingungen versetzt und dadurch einen schwebenden Zusammenklang hervorbringt.

Alle Saiten sind auf denselben Ton gestimmt, aber von unterschiedlicher Stärke. Im Fall der im Museum ausgestellten Äolsharfe sind zehn der Saiten aus Darm und zwei aus Messing. Je nach Windgeschwindigkeit verändert sich die Intensität der Obertöne, und da die Saiten verschieden dick sind, treten unterschiedliche Obertöne hervor. Bei stärkerem Wind können die dünneren Saiten bis in die Region oberhalb des achten Obertones schwingen. Wenn die Obertöne einen Ganz- oder Halbton differieren, tritt der charakteristische Klangeffekt der Äolsharfe auf.

Unsere um 1800 gefertigte Äolsharfe hat die Form eines gleichseitig-dreikantigen Prismas. Die Resonanzdecken sind aus Fichtenholz gefertigt und mit Mahagoni umleimt. Das Instrument sitzt auf einem Dreifuß drehbar auf. Man stellte Äolsharfen dieser Art an geöffnete Fenster, um sich bei Durchzug von den wechselvollen Klängen meditativ inspirieren zu lassen.

Arpeggione

Ein Instrumentenbau-Experiment, das wohl bald vergessen worden wäre, hätte nicht Franz Schubert eine Sonate für Arpeggione komponiert.

In Franz Schuberts Nachlass fand sich ein Werk, das seinen ersten Biographen Rätsel aufgeben sollte: die „Sonate für Arpeggione und Pianoforte“. Ein Instrument namens Arpeggione war ihnen nicht bekannt, sie vermuteten darin einen speziellen Harfentyp. Tatsächlich handelt es sich aber bei dem Arpeggione um ein Hybridinstrument aus Gitarre und Violoncello, das ohne Schuberts Sonate wohl vollständig in Vergessenheit geraten wäre.

Erfunden wurde der Arpeggione im Jahre 1823. Das erste Aufsehen erregte er weniger aus musikalischen Gründen, als vielmehr wegen eines recht bizarr anmutenden Urheberstreits. Sowohl der Wiener Geigenbauer Johann Georg Staufer als auch der in Pest wirkende Peter Teufelsdorfer beanspruchten für sich die Erfindung des Instruments, das vorerst als Guitarre d'amour, Bogen-Guitarre oder Sentimental-Guitarre bezeichnet wurde.

Unser Museum besitzt eines der wenigen bekannten Arpeggione-Instrumente. Es wurde vermutlich von Anton Mitteis in Leitmeritz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut. Der Umriss des Korpus, ohne Randüberstand und mit flachem Boden, die Metallbünde auf dem eher flachen Griffbrett sowie die sechs Saiten in der Stimmung E-A-d-g-h-e' stammen von der Gitarre, vom Violoncello die Saitenlänge, die gewölbte Decke mit der entsprechenden Steghöhe sowie Spielhaltung und Bogenspieltechnik. 1997 fertigte Thomas Schiegnitz einen Nachbau des Arpeggione an, der im Rahmen von Konzerten und einer CD-Produktion aus konservatorischen Gründen als Übungsinstrument zur Verfügung stand.

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