Sammlungsschwerpunkte

Das Museum sammelt Musikinstrumente der europäischen Kunstmusik vom 16. bis zum 21. Jahrhundert. Im Zentrum der Sammlung stehen frühen Cembali und Spinette, beispielsweise aus der Werkstatt der Familie Ruckers, aber auch Streichinstrumente von italienischen Meistern und Meistern aus dem nordalpinen Raum wie Stradivari, Gagliano, Stainer und Krouchdaler. Zu sehen sind außerdem Holzblasinstrumente von Hotteterre und Denner, Quantz sowie Streich- und Blasinstrumente aus Berliner Werkstätten. Einen weiteren Schwerpunkt bilden automatische und elektronische Musikinstrumente.

Cembali der flämischen Instrumentenbauerfamilie Ruckers

Cembalo mit Oktavvirgal (Hans Ruckers, Antwerpen, 1594. Dauerleihgabe des Kunstgewerbemuseums SMB). Kat.-Nr. K6439. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Mit ihrem kraftvollen und flexiblen Ton und ihren reichhaltigen Bemalungen sind die Ruckers-Cembali aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine besondere Attraktion sowohl für das Ohr als auch das Auge.

Zu den ältesten und wertvollsten Tasteninstrumenten des Museums gehören vier Cembali der flämischen Familie Ruckers aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zusätzlich beherbergt unser Museum als Dauerleihgabe des Kunstgewerbemuseums SMB ein Instrument von Hans Ruckers aus dem Jahr 1594. Die Cembali dieser Instrumentenbauerfamilie, die in Antwerpen zwischen 1570 und 1660 gebaut wurden, gehörten zu den besten der Zeit; zahlreiche Instrumente wurden damals nach England, Frankreich und Deutschland exportiert. Begehrt waren die Instrumente der Ruckers vor allem wegen ihres kraftvollen und zugleich flexiblen Tones.

Die bekanntesten Vertreter der Familie sind Hans der Ältere (1550 – ca. 1623) sowie seine Söhne Joannes oder Hans der Jüngere (1578–1643) und Andreas der Ältere (1579 – 1654). Von den beiden letzteren stammen je zwei der Cembali des Museums. Entsprechend der flämischen Bauweise, und im Gegensatz zur italienischen, handelt es sich um vergleichsweise schwere und massive Instrumente.

Das vermutlich älteste der vier Ruckers-Cembali unserer Sammlung wurde 1618 von Andreas dem Älteren gebaut. Hier wie auch bei anderen Instrumenten ahmt die Bemalung der Zargen, der Umgebung der Klaviatur und des Inneren des Deckels Tapetenmuster oder Holzmaserung nach. Die Malerei auf dem Resonanzboden stellt Blumen, Früchte und Vögel dar: Auch dies ist typisch für die flämischen Cembali dieser Zeit.

Ein weiteres Cembalo des Museums wurde von Joannes Ruckers um 1620 gefertigt. Es ist hier eine ungewöhnliche Kombination von Cembalo und Virginal innerhalb eines Korpus realisiert, eine besondere Erfindung der Familie Ruckers. Die Deckelinnenseite, die beim Spielen aufgeklappt ist, ziert ein großes und kostbares Gemälde, das die Bekehrung des Saulus zum Paulus wiedergibt. Auch die verbleibenden zwei Ruckers-Cembali unserer Sammlung, darunter ein zweimanualiges, zeigen prächtige Deckelgemälde: eine Stadtansicht und eine Küstenlandschaft. Die aufwändige Ausstattung weist auf den hohen Stellenwert hin, den diese Cembali nicht allein als Musikinstrumente, sondern auch als repräsentative Möbelstücke hatten.

Kielklaviere und Clavichorde

Gebundenes Clavichord von Hieronymus Albrecht Hass
Gebundenes Clavichord von Hieronymus Albrecht Hass (Hamburg, 1728). Kat.-Nr. 344. Foto: Antonia Weiße

Cembalo und Clavichord waren – bei grundsätzlich unterschiedlicher Klangerzeugung – vom 16. bis ins 18. Jahrhundert die Hauptformen des besaiteten Tasteninstruments vor der Erfindung des Hammerklaviers.

Zu den umfangreichsten Sammelgebieten des Museums gehören die historischen Tasteninstrumente. Besaitete Instrumente, die mittels einer Tastatur gespielt werden, lassen sich ab der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts nachweisen. Vor dem 18. Jahrhundert gab es bei diesen Instrumenten im Wesentlichen nur zwei unterschiedliche Arten der Tonerzeugung: Bei den Kielklavieren werden die Saiten durch Federkiele angerissen; zu diesem Instrumententypus zählen Cembali, Spinette und Virginale. Bei den Clavichorden werden die Saiten von einer Tangente berührt und so in Schwingung versetzt. Anders als bei den Kielklavieren schwingt jedoch nicht die ganze Saite, sondern nur der rechts vom Anschlagspunkt befindliche Saitenteil. Die übrige Saite links der Tangente wird durch eingeflochtene Tuchstreifen gedämpft.

Cembali und andere Kielklaviere besitzen keine Anschlagdynamik, d.h. die einzelnen Töne sind unabhängig von der Stärke des Tastendrucks in der Lautstärke nicht unterschieden. Dies ist beim Clavichord anders: Da die Tangente während des Spielvorgangs sowohl mit der Taste als auch mit der Saite in Berührung bleibt, kann der Spieler durch die Anschlagstärke kontinuierliche Lautstärkeabstufungen erreichen. Es ist sogar ein Vibrato möglich, das die Komponisten des 18. Jahrhunderts als „Bebung“ bezeichneten. Das Clavichord ist jedoch insgesamt ein recht leises Instrument.

Erst die Erfindung des Hammerflügels Ende des 17. Jahrhunderts ermöglichte eine Vereinigung von Anschlagdynamik und vollem Klang. Die neuen Möglichkeiten, die der Hammerflügel bot, beförderten dessen rasanten Aufstieg, der letztendlich zur Verdrängung des Clavichords und der Kielklaviere aus dem musikalischen Leben führte.

Blasinstrumente des Barock

Klarinette in C von Jakob Denner
Klarinette in C von Jakob Denner (Nürnberg, zwischen 1707 und 1735). Kat.-Nr. 223. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Oboe statt Pommer – im ausgehenden 17. Jahrhundert setzte sich bei den Holzblasinstrumenten ein Klangideal durch, das bis heute wirksam ist.

Das Instrumentarium des ausgehenden 17. Jahrhunderts zeugt - vor allem im Bereich der Holzblasinstrumente – von einem sich wandelnden Klangideal. Pommer und zum Teil auch Blockflöte werden durch Oboe und Traversflöte verdrängt, die beide ein nuancenreicheres Spiel erlauben. Die kostbar mit Elfenbein ausgestattete Oboe des Pariser Instrumentenbauers Dupuis hat mit dem Pommer noch die Fontanelle gemeinsam, eine kunstvoll ausgestattete Hülse, die den Klappenmechanismus schützt. Die reiche Ausstattung des Instruments mit Elfenbein lässt darauf schließen, dass es in der französischen Hofkapelle geblasen wurde. Aus der berühmten Hotteterre-Familie, deren Mitglieder im späten 17. und 18. Jahrhundert am französischen Hof wirkten und auch an der Entwicklung der Oboe beteiligt waren, stammt eine Querflöte unseres Museums. Das Instrument entspricht genau demjenigen, mit dem sich Jacques-Martin Hotteterre, genannt Le Romain, auf dem Titelblatt seiner berühmten Flötenschule von 1707 hat darstellen lassen.

Kurz nach 1700 wurde in der Nürnberger Werkstatt von Jacob Denner die erste Klarinette entwickelt. Anders als bei Oboe, Flöte oder Fagott handelt es sich hier weniger um die Weiterentwicklung eines bestehenden als vielmehr um die Erfindung eines neuen Instruments. Bei der Querflöte liegen die Klappen frei und boten den Instrumentenbauern einen Anreiz für die dekorative Gestaltung. So schmückte der französische Instrumentenbauer Dumont sein Instrument, das vermutlich um 1720 gebaut wurde, mit einem filigranen Blumenmotiv.

Italienische Meistergeigen

Violine von Antonio Stradivari
Violine von Antonio Stradivari, Cremona, 1703. Kat.-Nr. 4467. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Die klangvollsten Namen des Geigenbaus kommen aus Cremona: Amati, Guarneri - und nicht zuletzt Antonio Stradivari.

Die Violine ist das Sopraninstrument einer Instrumentenfamilie, die sich Anfang des 16. Jahrhunderts in Norditalien entwickelt hat. Spätestens in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bildete sich ein Standardtyp heraus, der sich mit geringfügigen bautechnischen Veränderungen bis heute gehalten hat.

Das wichtigste Zentrum des Geigenbaus war über Jahrhunderte hinweg Cremona. Hier befanden sich die Werkstätten der berühmten Instrumentenbauerfamilien Amati, Guarneri und Stradivari. Die Modelle der Cremonenser Meister waren Vorbild für den Geigenbau in ganz Europa – und sie wurden zur Grundlage zahlreicher Fälschungen. Im Unterschied zu archaischen Bauweisen – die man etwa im Geigenbau der Alemannischen Schule tradiert findet –, wurden die Cremonenser Geigen mit Hilfe einer stützenden Innenform hergestellt, d.h. der Zargenkranz bzw. die einzelnen Zargenleisten wurden um ein vorgefertigtes Formbrett herumgelegt.

Das Musikinstrumenten-Museum hat einige herausragende Exemplare italienischen Geigenbaus in seinem Besitz. So bewahrt es eine von weltweit ca. 600 erhaltenen Stradivari-Geigen. Aufgrund unfachgemäßer Reperaturen hat das Instrument leider einen Gutteil seiner klanglichen Möglichkeiten eingebüßt. Doch auch in ihrem jetzigen Zustand legt es Zeugnis ab von der handwerklichen Kunst ihres Erbauers. Eine andere Cremonenser Geige, die vermutlich der Amati-Schüler Francesco Ruggieri gefertigt hat, befindet sich als Dauerleihgabe im Beethoven-Haus Bonn, da sie – zusammen mit drei anderen Streichquartettinstrumenten – aus dem persönlichen Besitz Beethovens stammt.

Ein Instrument von besonderem historischen Interesse ist eine Geige, die dem neapolitanischen Geigenbauer Gennaro Gagliano zugeschrieben wird. Im Gegensatz zu fast allen alten Streichinstrumenten ist diese Violine nicht im Laufe der Jahrhunderte den modernen Anforderungen der Musiker gemäß umgebaut worden: So besitzt sie z.B. noch ihren originalen, nicht verlängerten Hals. Äußerlich auffällig an dem Instrument ist der rötlich-orangefarbene Lack, den Gagliano verwendete. Den Klang dieses außerordentlichen Instruments kann man auf einer von Rainer Kussmaul eingespielten CD hören.

Meistergeigen aus dem nordalpinen Raum

Fünf Streichinstrumente der Violinfamilie ("Alemannische Schule")
Violoncello (um 1685), Tenorgeige, Bratsche (um 1690), Violine (Mitte 17.Jh.) und Kontrabass (1689). Kat.-Nr. 4519, 4713, 4880, 5181, 5675. Foto: Antonia Weiße

Nicht immer galten die Instrumente Stradivaris als das Nonplusultra: Bis um 1800 erfreuten sich einige Geigen aus dem nordalpinen Raum einer noch größeren Beliebtheit.

Nicht nur der Geigenbau Italiens, sondern auch der des deutschsprachigen Raumes brachte Streichinstrumente von herausragender Qualität hervor. So waren die Geigen des in Absam bei Innsbruck wirkenden Instrumentenbauers Jakob Stainer bis in die Zeit um 1800 sogar beliebter als die Geigen Antonio Stradivaris. Mozart etwa spielte eine Violine, die dem Modell Stainers nachempfunden war. Der Klangkörper eines Stainer-Instruments ist höher, steiler gewölbt, was einen vergleichsweise zarteren Ton begünstigt. Das Musikinstrumenten-Museum besitzt eine Stainer-Geige aus dem Jahre 1654.

Eine lokal begrenzte, aber bedeutende Geigenbautradition stellt die „Alemannische Schule” dar, die im 17. Jahrhundert im Südschwarzwald (Werkstätten Joseph Meyer und Frantz Straub) und in der Schweiz im Raum Bern (Werkstatt Hans Krouchdaler) bestand. Ihre reich verzierten Instrumente dokumentieren in reiner Weise eine Bauweise, die von Polen bis England reichte und teilweise bis ins frühe 20. Jahrhundert galt. Die Instrumente wurden im Unterschied zu den Geigen der Cremonenser Meister ohne stützende Innenform gebaut; der Zargenkranz wurde frei auf den Boden aufgesetzt. Unser Museum zählt sieben Instrumente und Instrumentenfragmente der Alemannischen Schule zu seinem Bestand - ein außerordentlicher Glücksfall für die Forschung. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit zu diesen Instrumenten wurden in einer grundlegenden Publikation sowie in einer Ausstellung dokumentiert. Zudem sind die Alemannischen Geigen auf einer CD in der Reihe Klingendes Museum zu hören.

Instrumente der Wiener Klassik

Hammerflügel von Johann Andreas Stein
Hammerflügel von Johann Andreas Stein (Augsburg, 1775). Kat.-Nr. 5013. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

In der Zeit Haydns und Mozarts gelang Instrumenten wie Hammerflügel und Klarinette der endgültige Durchbruch, was nicht ohne Einfluss auf die Musik der Wiener Klassik blieb.

Das musikalische Wien erlebte im 18. Jahrhundert während der Herrschaft Maria Theresias und Josephs II. einen großen Aufstieg. Mit dem Dreigestirn der Wiener Klassik – Haydn, Mozart und Beethoven – sollte sich auch das heute noch verwendete Instrumentarium endgültig durchsetzen. Besonders die Konstruktion des Hammerflügels wurde in der Zeit um 1770 entscheidend verändert, was nicht ohne Einfluss auf die Klavierkomposition der Wiener Klassik blieb. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatte Johann Andreas Stein, der seit 1751 in Augsburg seine Werkstatt hatte. Der große Vorzug seiner Instrumente beruht auf der vermutlich von ihm entwickelten Prellzungenmechanik: Der am Kopf oftmals noch unbelederte Hammer liegt – entgegen der italienischen und englischen Stoßmechanik – auf dem Tastenhebel. Unmittelbar nach dem Anschlag fällt der Hammer wieder in seine Ruhelage zurück. Zusammen mit der robusteren Bauweise ergab sich ein verändertes Klangbild: heller, durchdringender, präsenter. Das Museum besitzt einen mit Kirschholz furnierten Flügel Steins von 1775.

Im Orchester und auch als Soloinstrument gewann auch die Klarinette immer mehr an Bedeutung. Das erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfundene – und damit gegenüber der Oboe deutlich jüngere – Instrument ist überwiegend zylindrisch gebohrt und wird mit einem einfachen Rohrblatt gespielt. Eine Sonderform der Klarinette ist das Bassetthorn. Um 1770 wurde dieses Instrument vermutlich im Umkreis des Klarinettisten Anton Stadler, einem Freund Mozarts, entwickelt. Es entspricht einer Altklarinette mit einem etwas rauen, aber dennoch fülligen Timbre, das auf die im Verhältnis zur Normalklarinette engere Bohrung und dünnere Wandstärke zurückzuführen ist. Im 19. Jahrhundert geriet das Bassetthorn jedoch bald in Vergessenheit.

Ein anderes Instrument, das die Wiener Klassik nicht überlebte, ist das Baryton: ein 6- bis 7-saitiges Streichinstrument mit zusätzlichen, unter dem Steg hindurch zu einem schräggestellten Querriegel laufenden Resonanzsaiten, die vom Daumen der linken Hand am rückwärtig offenen Hals gezupft werden konnten. Üblich waren 9 Resonanzsaiten, doch auch 27 und mehr Saiten kamen vor. Das Baryton wird als höchst anmutig, sanft und lieblich tönend geschildert. Haydn schrieb allein zwischen 1766 und 1774 über 120 Baryton-Trios für seinen Herrn, den Fürsten Esterházy.

Berliner Instrumentenbau

Waldhorn in F von Johann Gottfried Moritz
Waldhorn in F (Johann Gottfried Moritz, 1835–1840). Kat.-Nr. 5194 Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Bechstein-Klaviere und -Flügel, Möckel-Geigen, Moritz-Blechblasinstrumente – Berlin kann im Musikinstrumentenbau auf eine reiche und vielfältige Tradition zurückblicken.

Die Tradition des Blasinstrumentenbaus reicht in Berlin bis in die Zeit Friedrichs II. zurück, als in Potsdam die Werkstatt von Friedrich Gabriel A. Kirst existierte und mehrere junge Instrumentenbauer dort lernten. So auch J. Conrad Griessling und B. Schlott. Gemeinsam gründeten sie 1808 in Berlin eine eigene, bis 1842 existierende Firma, in der zunächst Holzblasinstrumente, später auch Blechblasinstrumente hergestellt wurden. Zur gleichen Zeit ließ sich Johann Gottfried Moritz in Berlin nieder, der als königlicher Hofinstrumentenmacher und akademischer Künstler zusammen mit seinem Sohn Carl Wilhelm und dem Militärmusiker Wilhelm Wieprecht das Ventilsystem der Blechblasinstrumente verbesserte. 1835 ließ sich Moritz die Basstuba patentieren. Dieses Instrument entspracht den Intentionen Wieprechts, dem Bassregister in den Blasmusikkapellen mehr Gewichtung zu geben. Bis 1955 existierte die Firma Moritz.

Eine Besonderheit der Klavierbauer im Biedermeierlichen Berlin waren die sogenannten Lyra-Flügel und Giraffenklaviere. Im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Berlin dann eine der Metropolen des Klavierbaus, der auch eine Menge von Zuliefererfirmen nach sich zog. Von den vielen, vor allem im Bezirk Kreuzberg ansässigen Klavierbaufabriken – darunter die Firmen Wilhelm Biese, Gebr. Schwechten und Theodor Stöcker – existiert seit einigen Jahren lediglich noch die Firma C. Bechstein.

Auch wenn es keinen einheitlichen Berliner Geigenbaustil gibt, ist in der Stadt natürlich auch der Geigenbau vor allem wegen der anfallenden Reparaturen und des Handels mit mehr oder weniger hochwertigen Geigen reichlich vertreten. Der wohl berühmteste Geigenbauer Berlins war Otto Möckel (1869–1937), der – wie sein Bruder Max (1873–1937) – Schüler seines Vaters Oswald Möckel (1843–1912) war und neben Neubau, Reparaturen und Handel auch ein bedeutendes Lehrbuch zum Geigenbau verfasste. Otto Möckels Instrumente wurden von vielen berühmten Musikern sogar italienischen Meistergeigen vorgezogen. Der große Geiger Georg Kulenkampff spielte in seinen Konzerten eine Geige von Möckel, obwohl er auch eine Stradivari besaß.

Renaissance des Cembalobaus

Cembalo, Louis Tomasini (Paris, 1889
Cembalo, Louis Tomasini (Paris, 1889). Kat.-Nr. 5080. Foto: Jürgen Liepe

Während das breite Publikum bei der Weltausstellung 1889 den Eiffelturm bewunderte, nahm die musikalische Fachwelt erstaunt drei Cembalo-Neukonstruktionen aus Pariser Werkstätten zur Kenntnis.

Angeregt durch den französischen Klaviervirtuosen Louis Diémer kam es Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Renaissance des Cembalobaus. So wurden auf der Pariser Weltausstellung 1889 drei Cembalo-Neukonstruktionen gezeigt: Zwei waren von den größten französischen Klavierfabrikanten Érard und Pleyel hergestellt worden, das dritte stammte von dem Restaurator Louis Tomasini. Merkmale des zeitgenössischen Klavierbaus – etwa die Rastenbauweise und der gusseiserne Rahmen – wurden bei diesen Instrumenten mit Gehäuse- und Klangeigenschaften des historischen Cembalos verknüpft. Alle drei Cembali der Weltausstellung wurden in den 60er Jahren nach jahrelanger Detektivarbeit vom Berliner Musikinstrumenten-Museum erworben.

Die modernen Cembali erregten im ausgehenden 19. Jahrhundert durchaus die Aufmerksamkeit der Fachwelt, erlaubten sie doch dank ihrer zwei Manuale und der mehrchörigen Besaitung eine Vielzahl von Klangdifferenzierungen. Die Registerschaltung erfolgte entweder über Züge oder über Pedale.

Von der Spieldose zum Orchestrion

Kalliope-Spieldose, Kalliope Musikwerke (Leipzig, um 1900)
Kalliope-Spieldose, Kalliope Musikwerke (Leipzig, um 1900). Kat.-Nr. 4973. Foto: Jürgen Liepe

Mit ihren Stiften und Löchern als Informationsspeicher sind sie die wahren Vorläufer des digitalen Zeitalters: die automatischen Musikinstrumente.

Das Prinzip der automatischen Musikinstrumente ist immer gleich: Durch mechanische Steuerung über Rolle, Streifen, Walze oder Scheibe werden mittels Stiften bzw. Löchern Hebel in Bewegung gesetzt, die die Funktion der Finger des Musikers übernehmen.

Automatische Musikinstrumente gibt es seit dem 14. Jahrhundert, z. B. die Glockenspiele in astronomischen Uhren. Harfen- und Flötenuhren waren beliebte Musikautomaten im 18. Jahrhundert. Bei der Harfenuhr wird ein kleines Hammerklavier durch eine Stiftwalze gesteuert. Im Sockel der prunkvollen Flötenuhr befindet sich ebenfalls eine solche Walze, die das eingebaute Orgelwerk "spielt".

Im Musikinstrumenten-Museum sind automatische Musikinstrumente von der Spieldose bis zum Orchestrion zu sehen und zu hören.

Elektronische Musikinstrumente

Mixturtrautonium nach Oskar Sala, Berlin 1988
Mixturtrautonium nach Oskar Sala (Berlin 1988). Kat.-Nr. 5834. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Instrumente wie Hammondorgel oder Trautonium verbindet man sofort mit Film- und Jazzmusik. Elektronische Musikinstrumente beherrschen die Unterhaltungsmusik und sind heute feste Bestandteile unseres Lebens.

Bei den elektronischen Musikinstrumenten handelt es sich im engeren Sinne um elektroakustische Instrumente. Im Gegensatz zu den rein akustischen Instrumenten werden bei ihnen elektrische Schwingungen erzeugt, die dann auf geeignete Weise über Verstärker und Lautsprecher in Schall umgesetzt werden.

Friedrich Trautwein stellte 1930 in Zusammenarbeit mit Paul Hindemith ein elektronisches Instrument vor, das Trautonium, bei dem mit einem Glimmlampen-Generator ein sehr obertonreicher Klang erzeugt wird. Die verschiedenen Tonhöhen werden über eine Saite abgegriffen. Bis ca. 1956 wurde das Trautonium von Oskar Sala weiterentwickelt und wurde besonders durch dessen Filmmusiken populär. Das bekannteste Beipiel hierfür dürfte die künstliche Erzeugung der Vogelschreie in Alfred Hitchcocks Thriller „Die Vögel“ sein. Aufgrund seiner Popularität stellte die Firma Telefunken in den 30er Jahren eine Kleinserie von 40 Instrumenten her.

Eine parallele Entwicklung zum Trautonium stellt das Hellertion Bruno Helbergers und Peter Lertes von 1928 dar, auf dessen Basis Hellberger nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Heliophon eine verbesserte Version entwickelte. Es wird über zwei Manualklaviaturen gespielt. Combichord, Clavioline und Multimonica waren nur einstimmig zu spielen und dienten den Tanzkapellen als Zusatzeinrichtung zum Klavier und Akkordeon. Dementsprechend hatten sie nur eine kleine Tastatur. In der weiteren Entwicklung wurden die Möglichkeiten der elektroakustischen Tonerzeugung in den 50er Jahren mit Vorliebe auf die Orgel übertragen. Wie die traditionelle Orgel haben die elektronischen Orgeln mehrere Manuale, oft ein Kirchenorgelpedal und Wippen oder Schalter zur Betätigung der Register.

Ein bekanntes Beispiel für eine elektronische Orgel ist die Hammond-Orgel. Sie war ursprünglich gedacht als Ersatz für die traditionelle Orgel, konnte sich dort aber nicht durchsetzen. Dagegen hatte sie großen Anklang bei Gospelgruppen und fand so ihren Weg zum Blues und Rhythm & Blues. Noch heute ist sie ein wichtiger Bestandteil des Jazz und der Rockmusik, wenn nicht im Original dann zumindest in der Simulation. Mit dem Synthesizer knüpfte die Industrie nach 1965 an die Tradition des Trautoniums und des Heliophons an. Heute ist diese Art der elektronischen Klangerzeugung Basis der Rock- und Popmusik und somit grundlegend für weite Teile der Musikbranche.

Weiterführende Links

Google Arts & Culture-Projekt Music, Makers and Machines

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