Berliner Uhren im Gespräch

Pop-up-Ausstellung

16. September – 24. Oktober 2021

Berliner Uhren – Meisterleistungen der Mechanik und des Kunsthandwerks ist eine institutionsübergreifende Forschungsinitiative und hat bei museum digital als Themenportal eine eigene digitale Plattform. Erstmals werden hier Berliner Uhren als eine eigene Gruppe mit spezifischen regionalen und kunsthandwerklichen Eigenschaften klassifiziert, beschrieben und eingeordnet. Da viele Berliner Uhren ein Musikwerk haben, sind sie in einer Sammlung von Musikinstrumenten besonders interessant.

Die Initiatorin des Forschungsprojekts, Dr. Silke Kiesant, Kustodin der Uhrensammlung bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, wird die „Berliner Uhren“ am 18. September 2021 bei der Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente e. V. im Musikinstrumenten-Museum SIMPK Berlin vorstellen. Begleitend hierzu wird eine kleine Ausstellung von Uhren und Zubehör aus dem Bestand des Musikinstrumenten-Museums präsentiert. Neben den beiden ständig ausgestellten Uhren von Christian Ernst Kleemeyer und Johann Christian Krüger ist das zentrale Objekt eine sonst im Depot verwahrte Bodenstanduhr mit Flötenwerk aus Berliner Produktion. Zwei Flötenwerke aus anderer Herstellung, hier aus dem Schwarzwald, sollen die Besonderheiten der Berliner Uhren durch den unmittelbaren Vergleich verdeutlichen.

Flötenuhr. Typisches Berliner Uhr- und Flötenwerk, Hersteller unbekannt, Berlin, um 1770–1780. Kat.-Nr. 5424. Uhrwerk mit Email-Ziffernblatt, rechteckigem Vollplatinenwerk aus Messing, Gewichtsantrieb. Flötenwerk mit 32 Claves/ Pfeifen, ein Register: Gedackt. Die Stiftwalze dreht bei seitlichem Vorschub über eine Schnecke spiralförmig. Die derzeit eingesetzte Stiftwalze ist mit „Die Stumme von Portici“ von Daniel-François-Esprit Auber bestiftet und muss daher aus den Jahren nach 1828 stammen. Das Gehäuse ist nach Vorbildern für den Berliner Hof gestaltet, Fassung ursprünglich grünlich mit Vergoldungen, diverse Reparaturen und jetzige Fassung um 1918.

Flötenuhr. Christian Ernst Kleemeyer, Berlin, um 1800. Kat.-Nr. 4901. Uhrwerk mit Email-Ziffernblatt, rundem Vollplatinenwerk aus Messing, Federantrieb. Flötenwerk mit 58 Claves, 81 Pfeifen, drei Register in 4-Fuß-Lage (klingender Umfang g–g3), jeweils Labialpfeifen aus Holz: 1. Hauptregister Gedackt, 4’, G/A–e2/ fis2 g2 (35 Pfeifen); 2. zweites Register Gedackt, 4’, g–e2/ fis2 g2 (24 Pfeifen); 3. Flötenregister offen, 4’, g–e2 (22 Pfeifen). Schaltung über Schleife für das zweite Register. Die Stiftwalze hat bei seitlichem Vorschub über eine Schnecke in der Vorderplatine sechs spiralförmige Umdrehungen. Derzeit eingesetzte Walze 1979/ 80 von Horst Rase angefertigt und mit dem „Andante für eine Walze in eine kleine Orgel“ von W. A. Mozart bestiftet.

„Andante für eine Walze in eine kleine Orgel“ von W. A. Mozart, KV 616, Kürzung nach Mozart, Takt 1 bis 83, 34 bis 41, 125 bis 144. (Aufnahme: Hans-Reinhard Wirth, 1996)
„Andante für eine Walze in eine kleine Orgel“ von W. A. Mozart, KV 616, Kürzung nach Mozart, Takt 1 bis 83, 34 bis 41, 125 bis 144. (Aufnahme: Sven Serfling-Krannich, 2020)

Originale Stiftwalze der Flötenuhr von Christian Ernst Kleemeyer, Berlin, um 1800, Kat.-Nr. 4901. Drei zu einem durchgehenden Musikstück zusammengesetzte Kompositionen von Ignaz Pleyel. Etikett mit den Angaben „Grande Sonate | Allegro et Romance avec | Variations. | Composé par I. Pleyel. | No. 340“. Beim „Allegro“-Abschnitt handelt es sich um den ersten Satz des Trios BenP 437 (1790/ 91), „Romance avec Variations“ entsprechen dem zweiten Satz des Quartetts BenP 321 (1786, 1796/ 98 wiederverwendet im Trio D-dur BenP 459).

„Grande Sonate | Allegro et Romance avec | Variations. | Composé par I. Pleyel. | No. 340“. (Aufnahme: Unbekannt, 1967)

Pfeifen aus einem Berliner Flötenwerk, möglicherweise von Christian Heinrich Calix, Berlin, um 1800, Inv.-Nr. B 122. Die gedackten Pfeifen aus Zedernholz und Ahorn entsprechen denen im Haupt- und Nebenregister der Flötenuhr von Christian Ernst Kleemeyer, Berlin, um 1800, Kat.-Nr. 4901.

Harfenuhr. Johann Christian Krüger, Berlin, 1764, Kat.-Nr. 4900. Uhrwerk mit Ziffernblatt aus Messingguss mit Email-Kartuschen, rechteckigem Vollplatinenwerk aus Messing, Gewichtsantrieb. Harfenwerk mit 50 Claves/ Hämmerchen. Resonanzkasten wie ein besaitetes Tasteninstrument gebaut, Tonumfang C/D–d3 in 8-Fuß-Lage, Besaitung durchgehend dreichörig. Signatur um das Schallloch im Resonanzboden: J. C. Krüger Berlin 1764. Das Anschlagen der Saiten erfolgt mit Metallhämmerchen nach dem Prinzip einer einfachen Prellmechanik ohne Dämpfer. Zusätzlich ist ein Harfenzug eingebaut. Die Stiftwalze ist bei kreisförmiger Drehung mit drei Musikstücken beschrieben, die durch seitliche Verschiebung umschaltbar sind. Derzeit eingesetzte Walze 1976 von Horst Rase angefertigt und bestiftet mit drei Werken aus Achtzehn Stücke für eine Spieluhr von Wilhelm Friedemann Bach, die ehemals Johann Sebastian Bach zugeschrieben waren: 1. Continuazione della Caccia, BR-WFB A 68; 2. Psalmlied O Gott die Christenheit, BR-WFB A 71; 3. Marsch, BR-WFB, A 75.

1. Continuazione della Caccia, BR-WFB A 68, aus „Achtzehn Stücke für eine Spieluhr“ von Wilhelm Friedemann Bach. (Aufnahme: Hans-Reinhard Wirth, 1996)
2. Psalmlied „O Gott die Christenheit“, BR-WFB A 71, aus „Achtzehn Stücke für eine Spieluhr“ von Wilhelm Friedemann Bach. (Aufnahme: Hans-Reinhard Wirth, 1996)
3. Marsch, BR-WFB, A 75, aus „Achtzehn Stücke für eine Spieluhr“ von Wilhelm Friedemann Bach. (Aufnahme: Hans-Reinhard Wirth, 1996)

Originale Stiftwalze der Harfenuhr von Johann Christian Krüger, Berlin, 1764, Kat.-Nr. 4900. Die drei Stücke wurden 1966 von Horst Rase transkribiert, sind aber nicht identifiziert.

Transkription der drei Musikstücke auf der originalen Stiftwalze der Harfenuhr von Johann Christian Krüger, Kat.-Nr. 4900. Horst Rase, 1966.

Musikstück I, mit Harfenzug (Aufnahme: Unbekannt, 1967)
Musikstück II, ohne Dämpfung (Aufnahme: Unbekannt, 1967)
Musikstück II, mit Harfenzug (Aufnahme: Unbekannt, 1967)
Musikstück III, ohne Dämpfung (Aufnahme: Unbekannt, 1967)
Musikstück III, mit Harfenzug (Aufnahme: Unbekannt, 1967)

Flötenuhr. Schwarzwald, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Kat.-Nr. 4833. Uhrwerk mit Lackschild, Holzplatinenwerk, Gewichtsantrieb. Flötenwerk mit 22 Claves/ Pfeifen. Ein Register: Gedackt. Eine eingebaute Stiftwalze, acht seitlich einstellbare Musikstücke bei jeweils einer kreisförmigen Umdrehung. Die Musikstücke sind in der Tür notiert:

Musikprogramm auf der Stiftwalze der Schwarzwälder Flötenuhr, Kat.-Nr. 4833: „1. Stück. Menuett (aus Don Jouan.) | 2. [Stück.] Der „Vogelfänger“ (aus Zauberflöte.) | 3. [Stück.] Drunten im Unterland. Lied. | 4. [Stück.] Mei Dirndl is harb auf mi. Lied. | 5. [Stück.] Am grünen Strand der Spree. 6. [Stück.] Als die Hussitten zogen vor Naumburg | 7. [Stück.] Moselblümchen. Schottisch. | 8. [Stück.] Johanniskäfer. Walzer von Strauss.“ Nr. 5, ein Berliner Lied von Heinrich Bial, wurde 1875 veröffentlicht, die Johannis-Käferln, op. 82 von Johann Strauss Jr., stammen aus dem Jahr 1850.

Flötenuhr. Schwarzwald, 1. Hälfte 19. Jahrhundert, Inv.-Nr. F 111. Uhrwerk vermutlich ursprünglich mit Lackschild (fehlt), Holzplatinenwerk, Gewichtsantrieb. Flötenwerk mit 43 Claves/ Pfeifen. Zwei Register: Gedackt und Flöte. Zwei austauschbare Stiftwalzen vorhanden, acht seitlich einstellbare Musikstücke bei jeweils einer kreisförmigen Umdrehung. Die Musikstücke sind nicht ermittelt.

Idee und Realisation: Sabine Hoffmann, September 2021

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Kontakt

Sabine Hoffmann

Restauratorin für Tasteninstrumente und mechanische Musikinstrumente

+49 30 254 81 149

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