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Porzellan und Musik

Große Musikantengruppe

Porzellanmanufaktur Fulda, um 1775
Porzellan mit Aufglasur- und Goldmalerei, Höhe 38,8 cm
© Kunstgewerbemuseum SMB, Foto: Fotostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin

  Wie man Porzellan zum Klingen und Musikinstrumente zum Erzählen bringt

 

Gemeinsame Veranstaltungsreihe von Kunstgewerbemuseum und Musikinstrumenten-Museum


Das Kunstgewerbemuseum und das Musikinstrumenten-Museum sind direkte Nachbarn am Kulturforum. Auch ihre Sammlungen weisen zahlreiche Berührungspunkte auf. In der neu eingerichteten Porzellan- und Fayenceabteilung des Kunstgewerbemuseums lassen sich viele Exponate finden, in denen sich der Musikgeschmack ihrer Entstehungszeit unmittelbar widerspiegelt. Die entsprechenden kostbaren Originalinstrumente sind im Musikinstrumenten-Museum zu sehen.

Die im Mai 2020 beginnende Veranstaltungsreihe "Porzellan und Musik" bringt Kunstwerke und musikalische Klänge zusammen. Geplant sind fünf Veranstaltungen, die jeweils beide Häuser bespielen: Konzerte direkt vor den Originalen mit Erläuterungen, Tandemführungen und ein Familiennachmittag mit Ausprobierstationen und Mitmachkonzert. So werden die Porzellanfiguren zum Klingen und die Musikinstrumente zum Erzählen gebracht.

Die fünf Veranstaltungen sind über das Jahr 2020 verteilt und finden jeweils in beiden Museen statt: Beginn im Kunstgewerbemuseum, Fortsetzung im Musikinstrumenten-Museum (am 20.6. umgekehrt). Eintritt frei.

"Klangsymbiosen"- Ein Wandelkonzert durch die Epochen und Museen mit dem ensemble voces berlin
Samstag, 23.5.2020, 14.30 – 17.00 Uhr
Die Veranstaltung wird verschoben.

Live-Musik einer bestimmten Epoche zu hören und dabei die originalen Kunstwerke aus derselben Entstehungszeit zu betrachten, stellt ein besonderes, synästhetisches Erlebnis dar. Das ensemble voces berlin wird ein musikalisches a cappella-Programm für vier bis fünf Gesangsstimmen darbieten, das auf ausgewählte Objekte der Sammlungen beider Häuser unmittelbar Bezug nimmt. Es erklingen Werke unterschiedlicher Zeiten – von der Renaissance über Barock und Rokoko bis ins 20. Jahrhundert. Die Vertonungen von Liebesthemen, Schäferidyllen, Jagdszenen und symbolistischen Naturmotiven umspielen die Kunstwerke aus Majolika, Fayence und Porzellan. Im Musikinstrumenten-Museum findet das Konzert seine Fortsetzung, dort mit instrumentaler Begleitung.

"Was haben Gitarren und Teetassen gemeinsam?" – Ein Familiennachmittag
Samstag, 20.6.2020, 13.00 – 18.00 Uhr
Beginn im Musikinstrumenten-Museum, Fortsetzung im Kunstgewerbemuseum
Die Veranstaltung wird verschoben.

Weder Gitarre noch Teetasse haben ihre Wurzeln in Europa. Fragt man nach dem Ursprung vieler uns heute ganz gebräuchlicher Musikinstrumente, so landet man zumeist im Orient, oder auch Mittelasien. Gitarrenförmige Instrumente sind in Indien und im heutigen China bereits im 2./3. Jahrhundert n.Chr. belegt. Die Laute sowie das Rebec, der Vorläufer unserer heutigen Violinen, stammen aus dem arabischen Raum und gelangten mit der arabischen Eroberung der iberischen Halbinsel nach Europa.

Ganz ähnlich verlief die Verbreitung der Fayencetechnik: von Ägypten und Persien über Spanien nach Italien. Der Weg des Porzellans führte von China über Holland nach Sachsen. Auch Tee, Kaffee und Schokolade haben außereuropäische Wurzeln. Direkt vor den Originalen in den beiden Museen gehen Museumsvermittler*innen und Kurator*innen der Frage nach den Ursprüngen der Dinge nach und begeben sich dabei auf eine kleine Reise um die Welt. Der Familiennachmittag beginnt im Musikinstrumenten-Museum mit Klangbeispielen und findet seine Fortsetzung im Kunstgewerbemuseum.
Geeignet für Kinder ab sechs Jahren mit ihren Familien.

"Virginal oder Spinett, Gambe oder Cello?" – Eine Tandemführung aus kunst- und musikhistorischer Sicht
Samstag, 5.9.2020, 14.30 – 17.00 Uhr

Die Kurator*innen, Dr. Claudia Kanowski (Kunstgewerbemuseum) und Dr. Benedikt Brilmayer (Musikinstrumenten-Museum), nehmen die Nähe ihrer Institutionen zum Anlass, die Porzellan- und Fayencefiguren des Barock und Rokoko mit den Musikinstrumenten derselben Zeit in Bezug zu setzen: Welches waren beliebte Instrumente der Epoche und warum? Wer spielte sie, und wie klangen sie? Wie detailgetreu sind deren Darstellungen in Porzellan und Fayence? Der Rundgang beginnt in der neu eingerichteten Porzellan- und Fayencesammlung des Kunstgewerbemuseums. Ihre Fortsetzung findet die Veranstaltung im Musikinstrumenten-Museum, wo genau jene Musikinstrumente zu sehen sind, die auch als Attribute der Porzellanfiguren zu finden sind.

"Chinoiserien" – Gesprächskonzert mit dem Ensemble Hamburger Ratsmusik
Samstag, 31.10.2020, 14.30 – 17.00 Uhr

Die Wiege des Porzellans steht nicht in Europa, sondern in China. Während der gesamten Barock- und Rokokoepoche war man in Europa fasziniert von chinesischen (und japanischen) Porzellanen. Ebenso gelangte Tee als neues Luxusgetränk nach Europa. Anhand der reichen Porzellan- und Fayencesammlung des Kunstgewerbemuseums lässt sich die Welt der Chinoiserien eindrucksvoll veranschaulichen. Auch die Musikinstrumente der Zeit sind oftmals mit Dekoren "à la chinoise" verziert.
Das renommierte Instrumentalensemble "Hamburger Ratsmusik" (Ltg. Simone Eckert) hat ein passgenaues musikalisches Programm ausgearbeitet, das auf Originalinstrumenten der Zeit, inmitten der Sammlungen beider Museen aufgeführt wird. Zwischen den einzelnen Musikstücken erläutern die Kurator*innen und Musiker*innen den kulturgeschichtlichen Kontext der "Chinoiserien".

"Von Mandolinen, Lauten und fehlenden Harfen" – Wandelkonzert mit einem Instrumentalensemble für Alte Musik
Samstag, 21.11.2020, 14.30 – 17.00 Uhr

Aus dem 18. Jahrhundert sind viele reizvolle Kompositionen für Traversflöte, Mandoline, Harfe und Gesang überliefert. Vier auf Alte Musik spezialisierte Musiker*innen werden zu Beginn der Veranstaltung entsprechende Musikstücke im Musikinstrumenten-Museum zu Gehör bringen. Anschließend erfolgt ein Ortswechsel ins benachbarte Kunstgewerbemuseum: Die um 1775 in Fulda gefertigte "Große Musikantengruppe" zeigt aus feinstem Porzellan eine Gruppe von Aristokrat*innen, die in genau dieser Zusammensetzung musizieren. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch Fragen: Hat der Modelleur eigentlich eine Mandoline oder eine Laute dargestellt? Und wo ist die Harfe? Die Kurator*innen erklären die Zusammenhänge, und inmitten der Porzellane erklingen weitere musikalische Kostproben.