Porzellan und Musik

Geigen-, Clavichord-, Cellospieler. Porzellangruppe aus Ludwigsburg, um 1766
Geigen-, Clavichord-, Cellospieler. Porzellangruppe aus Ludwigsburg, um 1766. Foto: Friederike Schmidt

Das Kunstgewerbemuseum und das Musikinstrumenten-Museum sind direkte Nachbarn am Kulturforum. Auch ihre Sammlungen weisen zahlreiche Berührungspunkte auf. In der neu eingerichteten Porzellan- und Fayenceabteilung des Kunstgewerbemuseums lassen sich viele Exponate finden, in denen sich der Musikgeschmack ihrer Entstehungszeit unmittelbar widerspiegelt. Die entsprechenden kostbaren Originalinstrumente sind im Musikinstrumenten-Museum zu sehen.

Veranstaltungsreihe

Die Veranstaltungsreihe „Porzellan und Musik” bringt Kunstwerke und musikalische Klänge zusammen. Geplant sind fünf Veranstaltungen, die jeweils beide Häuser bespielen: Konzerte direkt vor den Originalen mit Erläuterungen, Tandemführungen und ein Familiennachmittag mit Ausprobierstationen und Mitmachkonzert. So werden die Porzellanfiguren zum Klingen und die Musikinstrumente zum Erzählen gebracht.

„Klangsymbiosen”- Gesprächskonzert
28. August 2021, 14.30 bis 17 Uhr


Live-Musik einer bestimmten Epoche zu hören und dabei die originalen Kunstwerke aus derselben Entstehungszeit zu betrachten, stellt ein besonderes, synästhetisches Erlebnis dar. Ein a cappella-Programm für vier bis fünf Gesangsstimmen nimmt auf ausgewählte Objekte der Sammlungen beider Häuser unmittelbar Bezug. Es erklingen Werke unterschiedlicher Zeiten – von der Renaissance über Barock und Rokoko bis ins 20. Jahrhundert. Die Vertonungen von Liebesthemen, Schäferidyllen, Jagdszenen und symbolistischen Naturmotiven umspielen die Kunstwerke aus Majolika, Fayence und Porzellan. Im Musikinstrumenten-Museum findet das Konzert seine Fortsetzung, dort mit instrumentaler Begleitung.

„Was haben Gitarren und Teetassen gemeinsam?” – Ein Familiennachmittag
11. September 2021, 12 Uhr

Beginn im Musikinstrumenten-Museum, Fortsetzung im Kunstgewerbemuseum

Weder Gitarre noch Teetasse haben ihre Wurzeln in Europa. Fragt man nach dem Ursprung vieler uns heute ganz gebräuchlicher Musikinstrumente, so landet man zumeist im Orient, oder auch Mittelasien. Gitarrenförmige Instrumente sind in Indien und im heutigen China bereits im 2./3. Jahrhundert n.Chr. belegt. Die Laute sowie das Rebec, der Vorläufer unserer heutigen Violinen, stammen aus dem arabischen Raum und gelangten mit der arabischen Eroberung der iberischen Halbinsel nach Europa.

Ganz ähnlich verlief die Verbreitung der Fayencetechnik: von Ägypten und Persien über Spanien nach Italien. Der Weg des Porzellans führte von China über Holland nach Sachsen. Auch Tee, Kaffee und Schokolade haben außereuropäische Wurzeln. Direkt vor den Originalen in den beiden Museen gehen Museumsvermittler*innen und Kurator*innen der Frage nach den Ursprüngen der Dinge nach und begeben sich dabei auf eine kleine Reise um die Welt. Diese Reise wird durch Konzerte in beiden Museen begleitet, zu denen Gaby Bultmann, Johanne Braun, June Telletxea und Andreas Arend entsprechende Instrumente erklingen lassen.

Der Familiennachmittag beginnt im Musikinstrumenten-Museum und findet seine Fortsetzung im Kunstgewerbemuseum. Geeignet für Kinder ab sechs Jahren mit ihren Familien.

„Chinoiserien” – Gesprächskonzert
30. Oktober 2021, 14.30 bis 17 Uhr


Die Wiege des Porzellans steht nicht in Europa, sondern in China. Während der gesamten Barock- und Rokokoepoche war man in Europa fasziniert von chinesischen (und japanischen) Porzellanen. Ebenso gelangte Tee als neues Luxusgetränk nach Europa. Anhand der reichen Porzellan- und Fayencesammlung des Kunstgewerbemuseums lässt sich die Welt der Chinoiserien eindrucksvoll veranschaulichen. Auch die Musikinstrumente der Zeit sind oftmals mit Dekoren "à la chinoise" verziert. Zwischen den einzelnen Musikstücken erläutern die Kurator*innen und Musiker*innen den kulturgeschichtlichen Kontext der "Chinoiserien".

„Von Mandolinen, Lauten und fehlenden Harfen” – Wandelkonzert
27. November 2021, 14.30 bis 17 Uhr


Aus dem 18. Jahrhundert sind viele reizvolle Kompositionen für Traversflöte, Mandoline, Harfe und Gesang überliefert. Vier auf Alte Musik spezialisierte Musiker*innen werden zu Beginn der Veranstaltung entsprechende Musikstücke im Musikinstrumenten-Museum zu Gehör bringen. Anschließend erfolgt ein Ortswechsel ins benachbarte Kunstgewerbemuseum: Die um 1775 in Fulda gefertigte "Große Musikantengruppe" zeigt aus feinstem Porzellan eine Gruppe von Aristokrat*innen, die in genau dieser Zusammensetzung musizieren. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch Fragen: Hat der Modelleur eigentlich eine Mandoline oder eine Laute dargestellt? Und wo ist die Harfe? Die Kurator*innen erklären die Zusammenhänge, und inmitten der Porzellane erklingen weitere musikalische Kostproben.

„Virginal oder Spinett, Gambe oder Cello?” – Eine Tandemführung aus kunst- und musikhistorischer Sicht
15. Januar 2022, 14.30 bis 17 Uhr

Die Kurator*innen, Dr. Claudia Kanowski (Kunstgewerbemuseum) und Dr. Benedikt Brilmayer (Musikinstrumenten-Museum), nehmen die Nähe ihrer Institutionen zum Anlass, die Porzellan- und Fayencefiguren des Barock und Rokoko mit den Musikinstrumenten derselben Zeit in Bezug zu setzen: Welches waren beliebte Instrumente der Epoche und warum? Wer spielte sie, und wie klangen sie? Wie detailgetreu sind deren Darstellungen in Porzellan und Fayence? Der Rundgang beginnt in der neu eingerichteten Porzellan- und Fayencesammlung des Kunstgewerbemuseums. Ihre Fortsetzung findet die Veranstaltung im Musikinstrumenten-Museum, wo genau jene Musikinstrumente zu sehen sind, die auch als Attribute der Porzellanfiguren zu finden sind.

Kontakt

Dr. Benedikt Brilmayer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

+49 30 254 81 198

E-Mail

Weiterführende Links

Große Musikantengruppe, Porzellanmanufaktur Fulda, um 1775
Porzellanmanufaktur Fulda, um 1775, Porzellan mit Aufglasur- und Goldmalerei, Höhe 38,8 cm. Foto: Kunstgewerbemuseum SMB / Fotostudio Bartsch, Karen Bartsch, Berlin

Förderung

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